Im Jahr 2005 begleitet Carola Güldner in Baucau und Viqueque (Timor-Leste, zu Deutsch Ost-Timor) eine Feierstunde mit großer Bedeutung für die Dorfbewohner: die Eröffnung einer neu gefassten Quelle. Bewohner, die Dorfältesten, Mitarbeiter der GTZ und sogar ein Schamane kommen zu einer Wasserzeremonie zusammen, die weniger feierlich als selbstverständlich wirkt – als Teil eines gemeinsamen Alltagsprojekts. Wasser steht hier nicht für Infrastrukturversprechen, sondern für Verlässlichkeit und Zeit. Die Fotografien halten fest, wie Entwicklungsarbeit damals aussah: nah an den Menschen, eingebettet in lokale Rituale, ohne große Geste.

Alle Bilder ©Carola Güldner












































Osttimor gehört zu den jüngsten Staaten der Welt – und zu den geschichtsträchtigsten Südostasiens. Jahrhunderte als portugiesische Kolonie, ein kurzes Aufflackern der Unabhängigkeit nach der Nelkenrevolution 1975, dann indonesische Besatzung: Erst 2002 erlangte das Land nach einem UN-Übergangsprozess endgültig seine Souveränität.
Die Spuren dieser Geschichte sind überall spürbar. Internationale Entwicklungsorganisationen prägen bis heute Infrastruktur, Bildung und Wasserversorgung – auch in Städten wie Baucau. Die Abhängigkeit von Importen ist hoch, lokale Wirtschaftszweige wie Kaffeeanbau und Kleingewerbe wachsen langsam. Als Währung dient der US-Dollar, was Stabilität sichert, aber geldpolitischen Spielraum kostet.
Touristisch ist Osttimor noch weitgehend unentdeckt: ursprüngliche Küsten, zerklüftete Berge, eine Dorfkultur, die tief in Tradition und Spiritualität verwurzelt ist. Genau diese Mischung aus postkolonialer Gegenwart und gelebter Eigenheit macht den eigentümlichen Reiz des Landes aus.
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