Journalismus

Wer oder was ist eigentlich dieses „Lieblings“?

Lieblingsblume, Lieblingsort, Lieblingsmensch. Wer oder was ist eigentlich dieses „Lieblings“?

Unsere tägliche Schreibaufgabe gib uns heute.
Oder „Wenn Geben seliger denn nehmen ist, ist dann Schreiben = Geben? Versus Nehmen = Lesen?

So ad hoc fällt mir gar kein „Schatz“, meine Hündin Yoshi ausgenommen, ein. Also suche ich Rat im Duden.
Aha, das war mir so gar nicht bewusst: „Wortart: Substantiv, (männlich)“, steht dort. Und bei „Wortbedeutung.de“: „Silbentrennung: Lieb|ling, Mehrzahl: Lieb|lin|ge.“

Vielleicht liegt eine Ursache, dass ich mich mit einem eigenen Einfall schwertue, darin begründet, dass ich nicht so gern unterscheiden möchte. Meine Freundinnen nicht in „beste und weniger wertvolle“ klassifizieren will?

„Das Wort kommt in den letzten Jahren regelmäßig in deutschsprachigen Texten vor. Die Worthäufigkeit sagt nichts über die Bekanntheit des Wortes oder das Vorkommen in der gesprochenen Sprache aus.“ (sagt das Internet).
Ja, das ist mir auch schon aufgefallen, jeder fünfte Imbiss hat irgendwas mit „Lieblingsplatz“ im Namen. Jedenfalls fühlt sich das entlang der Ostseeküste manchmal so an.

Ha, jetzt wird es aber interessant, es gibt, wenngleich veraltet, eine weibliche Form: „Lieblingin (Deutsch). Wortart: Substantiv, (weiblich).“

Gelegentlich sollte ich den GöttererInnen – kleiner Genderschlenker – des Internets ein Dankgebet zukommen lassen. Denn hier wird mir reichlich gegeben.

„Das Wort ist nach Duden Grosses Wörterbuch der deutschen Sprache 2013 veraltet. In der Schönen Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts finden sich viele Belege, auch für den Plural. Diese weibliche Form wurde im Rahmen feministischer Linguistik des 20. Jahrhunderts kaum propagiert, die klassischen Autorinnen und Autoren, die dieses Wort verwendeten, waren oftmals in einem nicht-feministischen Sinn gynozentrisch orientiert: Mundt, Jean Paul, ETA Hoffmann, Rilke, Hugo von Hoffmannsthal, oder auch die Rousseau-Übersetzerin Sommer (welche gegen Schleiermachers Lucinde ankämpfte).“ Lässt mich „Wortbedeutung.de“ schlauer auf mein leeres Digitalblatt zurückkehren.

Auf die Sprünge hilft mir ebenfalls ein Blick auf andere Sprachen. Im Englischen deklariert man die „favorites“ und im Französischen präferiert man beispielsweise: „préférer qn./qc. (à qn./qc.) – jmdn./etw. lieber mögen (als jmdn./etw.)“

Geschenkt wird der Begriff „Lieblings-„ also vornehmlich nur in eine Richtung. Es wird etwas oder jemand aufgewertet. Ob das immer „selig“ und uneigennützig ist, darüber denke ich heute noch einmal intensiver nach.

Journalistin, Fotografin, Hundeteamleiterin

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