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Reisen

letters from aceh 2006

Warum mache ich mir überhaupt soviel Mühe, über Herrn Dantin-Biesenbach zu schreiben?

Christian Enk, der gemeinsam mit Peter Hedrich lange vor Yves Dantin-Biesenbach auf Pulau Weh tätig war, sagte einmal: „Ich kann verstehen, dass Du den so hasst, er hat Dich ja auch wirklich schlecht behandelt!“ Doch das ist ein Irrtum, ich hasse Yves Dantin nicht, ich hege überhaupt keine persönlichen Gefühle ihm gegenüber. Was mich treibt, diese Erlebnisse, die ich mit ihm gemacht habe, öffentlich zu machen, haben etwas damit zu tun, dass ich nicht glaube, Spendengelder sind gut bei jemandem aufgehoben, der so vielen Menschen gegenüber bekundet hat, dass die Indonesier, die Acehnesen „faul“ sind und der von Spendengeld so redet: „Transparenz, da sch… ich drauf. Das ist mein Geld, ich bin der Boss und ich bestimme, was mit diesem Geld geschieht.“ Gelder sind auch nicht gut aufgehoben bei jemandem, der sagt: „Und Sie, Frau Güldner, erfinden mir doch einmal ein paar Namen. Sie kommen doch von dort unten, woher ich das Geld für die Boote bekommen habe. Wir machen denen ein paar Fotos und schreiben deren Ortsnamen drauf, dann sind die schon glücklich!“ (Es ging um das Geld, das Dantin vom Sächsischen Landrat bekommen hatte).

Ist jemand würdig, der so über all die Menschen redet, die viel Geld gesammelt haben, weil sie in Sachsen wissen, wie Fluten alles vernichten können? Ist jemand vertrauenswürdig, der über Amnesty herzieht, der gestandene Journalisten als Betrüger beschimpft, nur weil sie nicht schreiben, was er für die Wahrheit hält? Ist jemand würdig, auf einer Insel zu leben, deren Einwohner er dafür beschimpft, dass sie ihrer Religion folgend, freitags um 14 Uhr Feierabend machen?

Ist jemand wie Yves Dantin, der eigentlich Hans Jürgen Biesenbach heißt, vertrauenswürdig, wenn er damit wirbt, im Deutschen Spendenrat e.V. zu sein, wenn doch bereits seit geraumer Zeit feststeht, diese Mitgliedschaft wurde von eben diesem Spendenrat abgelehnt. (siehe Zitat weiter unten). Nicht zuletzt, als ich noch für Herrn Dantin und die Organisation, von der ich nie auch nur ein anderes Mitglied persönlich kennen lernte, tätig war, spendeten auf meine – damals positiven Berichte hin – Bekannte Geld an die FIG.
Das ist einer der Gründe, warum ich nun hier auf meine Bedenken aufmerksam mache. Noch ein Nachtrag zu der Geschichte mit der FIG: Yves Dantin alias Biesenbach wirbt auf seiner Website mit zwei Unwahrheiten, denn weder ist die FIG AKTIVES Mitglied bei der Ko-Gruppe Indonesien von Amnesty und auch sonst zwar auf der Mitgliederliste, aber kein AKTIVES Mitglied bei Amnesty (das kann leicht bei der Pressestelle von Amnesty erfragt werden), noch ist die FIG Mitglied im Spendenrat.
Siehe die Mail von eben diesem Spendenrat: „FIG-Indonesia e.V. ist nicht mehr Mitglied im Deutschen Spendenrat e.V.
Die Mitgliederversammlung hat am 1.Juni 2005 dessen Aufnahme in den Deutschen Spendenrat e.V. abgelehnt.
Mit freundlichen Grüßen
Deutscher Spendenrat e.V.
Der Geschäftsführer (RA Beder)“ Und noch dazu: „Sehr geehrte Frau Gueldner, vielen Dank für Ihre Nachricht bzw. Hinweis bezüglich des FIG-Indonesia e.V. Wir haben uns auch noch einmal erkundigt um Ihre Informationen zu prüfen und haben, wie Sie schon schrieben, die gleichen Feststellungen gemacht.
Daraufhin haben wir gestern unverzüglich FIG-Indonesia e.V. auf unserer Seite gesperrt.
Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen

Juliane Neubert (Projektkoordinatorin Gute-Tat.de“)“  Es ist nur ein Beispiel von vielen, Yves Dantin liebt es, sich über die Acehnesen zu beklagen, gern auf seiner Website: Zur Zeit sind es die Muslime, die ja freitags ab 14 Uhr nicht mehr arbeiten würden. Dass die Leute dafür Samstag und Sonntag ackern, vergisst er zu erwähnen. Natürlich erwähnt seine Angestellte gern in ihren Drohmails mir gegenüber, dass Herr Dantin ja oft von morgens bis nachts arbeitete, ja, sogar am Sonntag. Aber das ist dann natürlich etwas anderes. Fotos, auch von mir erstellte, publizierte er auf der Organisationswebsite gern mit Untertiteln: „beautie from paradise“. Gern schrieb er seine einfallslosen Kommentare unter die Bilder von Frauen, die er nie um ihr Einverständnis gebeten hatte, diese Fotos zu veröffentlichen. Noch lieber nahm er auch Bilder von Kindern, die seiner Meinung nach „noch schüchtern“ waren, aber „schon wissen, wie man bettelt“. Die Kinder auf Pulau Weh sind schüchtern, weil sie in ihrem Leben wegen des Kriegsrechts in Aceh kaum Weiße zu Gesicht bekommen haben, aber genau aus dem Grund betteln sie auch kaum…und schon gar nicht bei einem wie unserem Mann, der gern Süßigkeiten kauft, um die Kinder zu fotografieren, sie altväterlich zu streicheln.
Und ach ja, Dantin-Biesenbach hat selbstverständlich nichts über die Geschichte Acehs gewusst, als er dort helfen wollte. „Ich weiß nicht, was die Leute haben, die Soldaten des TNI (indonesische Militärs) sind doch total nett?“ Dass seit 1976 im Laufe des Bürgerkrieges um die rohstoffreiche Provinz mehr als 12.000 Menschen getötet worden, scheint ebenso uninteressant für unseren Mann wie die Tatsache, dass man in Aceh nicht wie auf Bali einfach nach „Sex“ fragt. Im Beisein von Peter Hedrich, dem Architekten, der eigentlich auch unter des Mannes Regie Häuserbauen sollte, dann aber kündigte, gab der Mann noch einmal in aller Deutlichkeit sein Statement ab: “ Ich bin froh, wenn Sie endlich abreisen, dann kann ich hier Frauen ins Haus holen, soviel ich will!“ Darauf angesprochen, dass ich nicht gern teil hätte an seinem Nachtleben, schrie er mich auf Sabangs Hauptstrasse vor Peter Hedrich und Christain Enk an: “Sie können gern zuschauen, das ist mir ganz egal!“ Diese Art von Geschichten sind ausbaufähig, aber nicht wirklich interessant, weil sie nur die armseligen Phantasien eines alternden Mannes beschreiben, der es in Deutschland offenbar zu nichts anderem gebracht hat, als einer verräucherten Wohnung in Hamburg-Harburg, die gleichzeitig sein Büro ist und von wo aus er sicher gern sein eigenes kleines Reich in Asien errichtet hätte.
Merkwürdig
Es muss hier auf keinen journalistischen Trick zurückgegriffen werden: Ich war von März bis April 2005 bei der Organisation namens FIG „angestellt“, und zwar für Kost (die von der FIG übernommen wurde) und Logis (die vom Wali Kota bezahlt wurde) und ich bekam laut „Vertrag“ die Flugkosten gezahlt. Die allerdings wurden ebenfalls bis zu einem minimalen Limit von ca. 300,00 Euro (statt 1500,00) von der großzügigen Airline Royal Brunei gesponsert. Das bedeutet, eigentlich war ich für 1 Monat als Pressesprecherin engagiert, da ich aber in weniger als drei Wochen wegen mangelnder Transparenz kaum meine Arbeit machen konnte, arbeitete ich ca. drei Wochen ohne Lohn (Herr Dantin behauptet gern, ich habe nicht gearbeitet). Es geht hier aber gar nicht um eine Beschwerde, denn ich habe sowohl von den Einwohnern Pulau Wehs als auch von anderen Organisationen sowohl auf Pulau Weh als auch in Banda Aceh sehr viel lernen können.
One Step Back
Doch gehen wir zuerst noch einmal ein wenig zurück: denn natürlich hat auch ein Herr Dantin-Biesenbach in Deutschland Bekannte, die sich gut an ihn erinnern. Da bekam ich zum Beispiel im Juni 05, kurz vor meiner zweiten Reise nach Aceh eine Mail: „Ich habe mit großem Erstaunen Ihren  Artikel über die Flutopfer in Indonesien gelesen. In ihrem Artikel wurde mehrfach der Name „Yves Dantin“ erwähnt. Dieser Herr Dantin war, wie Sie schreiben, lange Jahre selbständiger Unternehmer. Diese Aussage ist falsch! Auch seine Identität ist falsch – oder zumindest soll sie in die Irre führen – mit dem Ziel nicht erkannt zu werden. Sein richtiger Name, siehe Ausweis, ist Hans Jürgen Biesenbach alias Yves Dantin (angeblich Künstlername). Herr Biesenbach hat eine schillernde Vergangenheit mit diversen  Vorstrafen, sowie einem Offenbarungseid in Deutschland. Herr Biesenbach war in Deutschland selbständig in diversen Bereichen – als Möbelhändler  (allerdings im Bereich nicht lizenzierter Raubkopien), Kurierfahrer, Kunsthändler sowie Einrichtungsberater – um  nur einige zu nennen… Herr Biesenbach war zum  ersten mal 2001 in Indonesien, auf Bali…Etwas anderes als eine Hilfsorganisation zu gründen, blieb ihm aufgrund seiner juristischen Vergangenheit auch nicht übrig: denn – Kontoeröffnung/Firmengründung/Steuererklärung usw… – all das war ihm ja nicht mehr möglich als Hans Jürgen Biesenbach mit letztem deutschen Wohnsitz in Augsburg. Die Flutwelle 2004 muss ihm gerade recht gekommen sein, da sie ihm eine ebenso große Geldwelle zugespült hat“ oder eine andere Mail besagt: „Ich kenne Herrn Dantin-Biesenbach seit 15 Jahren, hatte ihn zwischenzeitlich aus den Augen verloren und 2001 per Zufall in Hamburg wiedergetroffen. Er sagte mir damals, dass er ein Hilfsprojekt für Indonesien gründen wolle. Ich war sehr überrascht, denn im selben Gespräch ließ er auch Bemerkungen fallen wie „Die Leute dort unten sind faul“ oder „Denen kann niemand helfen“ und im gefiele nicht, dass „die Länder dort unten strotzen vor Dreck“. Er hatte auch mich gefragt, ob ich ihn unterstützen könne, eventuell durch Kontakte zu den Medien. Da ich schon von früherer Zeit wusste, dass Yves Dantin nicht gerade ein Ausbund an sozialer Kompetenz ist, hatte ich natürlich kein Interesse. Ich nahm die Sache nicht ernst, da ich sicher war, er würde niemals Sponsoren und Spender finden. Umso mehr war ich überrascht, im Internet von seinen Aktivitäten im Sommer diesen Jahres zu erfahren. Er war in Augsburg keineswegs ein erfolgreicher Geschäftsmann, sondern er lebte von Sozialhilfe und verbrachte seine Tage mit Geschwätz in Kneipen… Ich lebe in Hamburg, habe Yves dort regelmäßig gesehen und ihn dann, im Herbst 2001, per Zufall am Hamburger Hauptbahnhof wiedergetroffen. Zu dieser Zeit war er gerade am Stricken seines (..) Hilfs-Netzwerkes… Ich war überrascht über diese Aktivitäten, weil ich ihn eher als hartnäckigen Stammgast und Thekenspanner im Café Amadeus in der Augsburger Maxstraße in Erinnerung hatte.“

August 2005
All das muss nicht weiter ausgeführt werden, denn Herr Dantin, der sich nun offenbar ein schönes Haus in Pantai Kasih (Pulau Weh) zugelegt hat, besitzt deutliche Charaktermerkmale, die ihn leicht erkennbar machen: Vor allem stellt er sich gern in den Vordergrund, indem er andere beschämt oder besser, beschuldigt. Gegen Journalisten hat er eine besondere Allergie, dummerweise versuchte er mehrmals umsonst, diese für seine Zwecke einzuspannen. Wohl in dem irrtümlichen Glauben, „die sind alle käuflich“. So gab er mehrmals seiner Wut darüber Ausdruck, dass Moritz Kleine-Brockhoff, ein anerkannter Indonesien- Reporter, der für die fr, stz, tsp und haz seit Jahren regelmäßig aus Asien schreibt, seine Projekte vor dem Tsunami nie besucht habe. Auf meine Frage, wie er darauf komme, sagte er: „Ich habe den Kleine-Brockhoff“ mehrmals eingeladen, mein Wasserprojekt in Wonogiri anzuschauen, aber der hatte keine Lust und meinte nur, wir sollten ihn einladen, wenn es fertig sei. Die meisten Journalisten lassen sich doch nur bewirten.“ Natürlich sind ihm auch andere Journalisten ein Dorn im Auge, komischerweise mag er den Namen nicht schreiben?
Unlängst beklagte unser Mann sich bitterlich auf seiner Website:  
Von Schmierfinken und der Realität

Seit meinem letzten Bericht ist nun schon eine Weile vergangen und mich erreichten hier auf der Insel viele Nachfragen unserer Freunde, ob es uns gut geht und wir gut vorankommen. Darüber freuen wir uns sehr, denn es zeigt uns doch, dass an uns gedacht und Anteil an unserer Arbeit genommen wird.

Leider läuft aber nicht immer alles so, wie man es gerne hätte. Gerne würde ich/wir die zur Verfügung stehende Zeit ausschließlich unserer Arbeit widmen. Wir fangen meist morgens gegen 07.30 Uhr an und unser Tag endet meist nicht vor 24.00 Uhr, oft sogar noch später. Neben den zahlreichen Besuchern die täglich zu uns kommen, seien es Betroffene mit Bitten um Unterstützung, Handwerker und Arbeiter aus unseren Projekten, Lieferanten und Freunde, oder Leute die uns etwas verkaufen wollen, müssen wir natürlich auch die erforderlichen Verwaltungsarbeiten bewältigen, unsere Projekte besuchen und kontrollieren, Lieferquellen erforschen, Preise vergleichen und verhandeln, Transporte organisieren, Berichte an unsere Spender verfassen und zahlreiche Emails beantworten, wenn nicht mal wieder Stromausfall ist oder Internetverbindungen unmöglich sind.

Ein weiteres Problem ist der niedrige Standart. Wir befinden uns ja auf einer kleinen Insel und das Sortiment der erforderlichen Mittel ist sehr eingeschränkt und meist von schlechter Qualität. Wir müssen also viel Zeit aufwenden, um halbwegs brauchbares Material zu finden und zu besorgen. Bleibt noch zu erwähnen, dass Mittags alles schließt und am Abend erst wieder öffnet, Freitags Muslime ab Mittag nicht arbeiten und wenn es zu heiß ist oder regnet auch nicht 🙂

Das alles wäre halb so schlimm – ist es doch ein Teil unserer Arbeit. Leider gibt es aber Menschen, die ihr Geld damit verdienen, die Arbeit anderer in den Dreck zu ziehen, mutwillig den Ruf anderer durch Verleumdungen, Lügen und Falschanschuldigungen zu schädigen. Einer dieser Menschen betitelt sich selbst als Journalist, was jedoch eine Beleidigung für alle seriös arbeitenden Journalisten ist. Ohne selbst auch nur einen Finger zu krümmen, sich mit Hintergründen zu befassen, oder sich ernsthaft mit dem schwierigen Prozess des Wiederaufbaus auseinanderzusetzen, ist es natürlich einfacher sich auf das Niveau des Sensationsreporters herabzulassen, auf Kosten anderer zu reisen und bewirten zu lassen, sich in bevorzugten Touristenorten und Hotels einzuquartieren und positiv über den zu schreiben, der den besten Service bietet und gute Honorare bezahlt. Genau ein solcher „Journalist“ stiehlt uns einen großen Teil unserer Zeit, die wir lieber für unsere eigentliche Arbeit aufwenden würden.“
schreibt Yves Dantin auf seiner Website Kasian, wie man in Indonesien sagt, armer Herr Dantin. Tut mir wirklich leid für ihn, er, der sich als erstes ein Speedboat kaufen wollte und am liebsten noch eine Insel dazu, der arme Mann, der so hart arbeitet, und niemand dankt es ihm. Ich räume seinem armseligen Text hier soviel Platz ein, weil er am besten nachweist, welche Motivation ihn treibt. Vielleicht ist es ja auch ganz anders, und der „Arme“ hat durch den Tsunami eine einzigartige Chance bekommen, unter dem Deckmäntelchen der Hilfe endlich sich das Leben in Asien aufzubauen, dass er sich immer erträumt hat. Vielleicht wollte er sich deshalb ja nicht von uns, dem Architekten Peter Hedrich und mir, Carola Gueldner, in die Karten schauen lassen? Wir alle, die wir Herrn Dantin-Biesenbach aus unterschiedlichsten Zusammenhängen kennen und ihn als nicht vertrauenswürdig einstufen, hoffen, dass die spendenwilligen Menschen sich genau anschauen, wem sie Geld zukommen lassen. Das ist unser einziges Anliegen.

Mit besten Grüßen aus Ost-Timor, Deutschland und Aceh,
 

Journalistin, Fotografin, Hundeteamleiterin

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