Wolf mit Beute
Deutschlandreise

Wolfsbelichtungen

Wolfratshausen, Wolfsberg, Wolfschkugen…Ortsnamen mit dem Canis Lupus im Namen führen, gibt es reichlich. Wie deren Bewohner im Einzelnen zum Namenslehn stehen, dürfte genauso variieren, wie die Größe oder Lage der jeweiligen Ortschaften.

Auf der Reise der letzten Monate habe ich viele Menschen interviewen und kennenlernen dürfen, die sich mit Wölfen, Raben, Tierschutz und Natur im Allgemeinen beschäftigen, sich ihr auf vielfältige Arten widmen, nähern.
BiologInnen, ForscherInnen, KünstlerInnen haben mir einen Blick hinter ihre Kulissen erlaubt.
Aber ich habe auch, wenigstens von drei Personen, den Biobauern Josef (Sepp) Zanker und Michaela Jansen sowie der Amtsveterinärin Astrid G. erfahren, wie enttäuscht sie jeweils sind. Bei ersteren handelt es sich um irrsinnigen Verwaltungsaufwand, nur, weil Josef und Michaela ihre fünf Pyrenäenberghunde zum Schutz ihrer Herden einsetzen wollen. Die bürokratischen Himalajagebirge, die ihnen in den Weg gelegt werden, spotten jeder Beschreibung. Im Hintergrund werden Argumente als Karten gegen die beiden gespielt, die Einblick in die Interessenskonflikte der Entscheider in Politik und Wirtschaft gewähren.
Bis heute kämpfen die beiden Biobauern in einer frisch gekörten BIO-Vorzeige-Modell-Region Aichach-Friedberg um die Anerkennung ihrer Herdenschutzhunde als Arbeitshunde und damit auch um die Befreiung von der Hundesteuer.

Michaela Jansen ist sogar zur AG Herdenschutzhunde gefahren, hat an Seminaren teilgenommen und wundert sich sehr über die Verweigerungshaltung bei Landrat und Co.
Solange diese nicht ausgestellt wird, können die Hunde nicht an den Schaf- oder Kuhherden allein gelassen werden.


Auch in Bayern, allerdings einem anderen Teil, ist der Hintergrund etwas anders gefärbt:
Die Amtsveterinärin Astrid, die weder Fotos noch Tonaufnahmen von sich veröffentlicht wissen möchte, hat sich mit mir getroffen und mir ihre Sicht der Dinge erzählt.
Auch, wenn ich erschrocken war über die Rigorosität der Meinung habe ich auch einen Teil der Enttäuschung verstanden.
Die Frau hält ein paar Schafe als Hobbyzucht, diese stehen neben ein paar Pferden auf der gleichen Koppel. Alle Tiere sind durch einen Elektrozaun geschützt und haben noch jeweilige Unterstände, in die sie gehen können. Seit vier Jahren, nur in diesem Jahr nicht, hatten die Pferde, 2 Stuten, ein Hengst und ein Pony seltsame Biss-Spuren. Allerdings war auch ziemlich schnell klar, dass diese nicht! vom Wolf stammen können. Zunächst hatten sie Hunde im Verdacht, dann den Luchs. Die selbstfinanzierten Gentests wurden vom Senkenberg-Institut gemacht, von dem die Frau sagt, es sei durch den NABU gesponsert und auch nicht adäquat zertifiziert. (Was ich noch prüfen muss).
Was ich wirklich nachvollziehen kann, ist, dass die Frau total genervt von Rissgutachtern ist, weil diese immer erst nach Tagen und dann auch nicht wirklich motiviert dort erschienen. Auch ein gerissenes Rehkitz wurde ihrer Aussage nach nicht wirklich begutachtet.
Jemand von WikiWolves war wohl auch zwei Mal da, hat aber angesichts der Hitze und der Schwierigkeiten, den Zaun freizuschneiden, schnell aufgegeben. (sagt Astrid G.).

Warum, frage ich mich, wird nicht auf genau solche Leute vernünftig zugegangen und ihnen zugehört. Ich glaube nach diesem Interview einmal mehr, dass unter den Wolfs, Luchs-Gegnern viele sind, die man durchaus überzeugen kann. Allerdings nicht mit Demos oder Hass-Aktionen…

Journalistin, Fotografin, Hundeteamleiterin

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