Deutschlandreise

Von Menschen und Fledermäusen: Schlafplatzsuche für Italien-Anfänger

Müsste ich schätzen, käme ich auf etwa 1000, noch unbearbeitete Fotos und könnte mich auch heute vom Schreiben ablenken. Da ich seit Wochen kein Geschirr spülen muss, keine Fenster zu putzen habe und auch sonst nichts heranziehen kann, das als Rechtfertigung gälte, gibt es heute einen Blog zur Schlafplatzsuche. 

Seit dem 26. März bin ich unterwegs, Anfang April in Süd-Sizilien wie verabredet gelandet. Dort hatte ich dann wahnsinnig spannende und schöne sechs Wochen ein Bett und jede Menge Ablenkung. Auf der Reise nach Sizilien gab es fast überall in Deutschland Freunde, die mich und Yoshi über Nacht beherbergten. Erst ab Österreich, beziehungsweise Italien wurde es wichtig, dass ich mich im Schlafplatz finden übte. Genua wartete Ende März mit bestem Wetter und 20 Euro für Zelt, PKW und Hund inklusive Dusche, Strom und – nicht funktionierendem WLAN auf. Abgesehen davon, dass meine Reisekasse seither sehr geschrumpft ist, habe ich für dieses Budget keinen einzigen Campingplatz in ganz Italien gefunden bisher.

Nach insgesamt über 5000 km Reise haben wir es bis 100 km vor Rom geschafft. Davon fünf Tage Auszeit in Placanica, Kalabrien und vier Tagen ohne Bettsuche in Benevento, Kampagnien, für den Rest kann ich auf viele, gut überstandene Nächte im Zelt und Auto zurückblicken. Unzählige Male, wenn die Madonna, die lokalen Heiligen, Neptun oder einfach der altgediente Poseidon, ach nein, Petrus monsunartige Regengüsse über die, ob des Wetters völlig bestürzten Italiener ergoss, habe ich nach Zeltplätzen oder Bungalows gesucht. Fündig wurde ich im Netz in Kalabrien ebenso wie in Apulien, die Amalifiküste ist virtuell übersät mit B&Bs und Campingparks. Ganz zu schweigen vom neapolitanischen Umfeld. Nur das bedeutete weder dort noch da, und eigentlich bisher nie, dass die bei Google Maps eingetragenen Übernachtungsmöglichkeiten auch wirklich als solche fungieren würden.  Natürlich waren sie physisch alle existent. Auf der Fahrt von Neapel nach Rom, wo ich mich aus einer persönlichen Sehnsucht nach Dusche, Strom und ausgestreckter Rückenlage besonders intensiv den Versprechungen bei Google Maps widmete, besah ich mir die  Herrlich verschnörkelte Gitter, dreifach verkettet und abgeschlossen, als wäre einfach  Wintersaison und deshalb alles verlassen. Bei einigen, zum 50er Jahre Stil passend, die Telefonzelle direkt neben der Bar und dem früheren Kassenhäuschen. Man kann sie direkt sehen, die deutschen Touristen, wie sie Jahr für Jahr an ihren angestammten Platz beanspruchten, als hätten sie mit ihrem Strandlaken für immer dort reserviert.

Heutzutage, wie es mir bisher überall in Italien begegnete: VENDESI (Verkauf) Schilder in bester Qualität. Egal, wie verrottet die Substanz des angebotenen Objektes ist, unabhängig davon, wie lange das Land, die Immobilie oder was auch immer zum Verkauf steht, wer es anbietet und zu welchen Konditionen – die VENDESI-Schilder sind immer 1-A-Qualität. Ungezählte Male also hatte mein Budget und die nicht mehr vorhandenen normalpreisigen Campingplätze darüber entschieden, dass ich für die Übernachtungen abgelegene, möglichst ruhige Stellplätze finden müsste. Ein wenig Übung hatte ich ja schon, immerhin habe ich ein knappes Jahr mit meinen Hunden Sky und Tara im Wohnmobil in Norddeutschland gelebt. Nun ist ein VW Polo, Baujahr 98 nicht unbedingt zu vergleichen, den Blick fürs Wesentliche hatte ich. Italien allerdings weist eine völlig andere Infrastruktur auf. Sowohl die Besiedlung, die Bebauung, die Straßenführung, die kaum vorhandenen Spazierwege und nicht zuletzt die überall zur Müllhalde umfunktionierten, sonst durchaus geeigneten Orte stellen für mich eine riesige Herausforderung dar.

Dass in Italien wildes Zelten durchgängig verboten ist, habe ich erst gestern aus dem Netz erfahren und es schnell wieder verdrängt.

In einer Liste zusammengefasst, sehen meine Abende so aus:

18 Uhr: ich scanne die Umgebung, sobald ich mich im Supermercado oder noch lieber bei LIDL (weil es da Schwarzbrot gibt) eingedeckt habe

Die Fahrtroute ist zwar immer noch die, für den nächsten Tag anvisierte, aber nur noch im näheren Umkreis  und jetzt unter ganz anderen Aspekten ausgewählt:

keine bewohnten Häuser in der Nähe, wenn irgend möglich, ein Stellplatz fürs Zelt (das war bisher nur drei Mal der Fall, ansonsten Regen, Angst vor Wildschweinen, Vorrang hatte das schnelle Abreisen, falls nötig)

21 Uhr, ich steuere – je nach Stimmung und Wetter die in der näheren Umgebung meines Reiseortes die von google maps als “günstigste” angezeigten Campingplätze an

22 Uhr: fast immer kam irgendwas dazwischen, das verhinderte, dass ich einfach ausgestreckt im Zelt auf meinen Isomatten liegend, ein paar Zeilen tippen, ein paar Fotos durch die Photoshopwalze drehen kann….das hier ist nicht nach Prioritäten geordnet, sondern, wie es mir grad einfällt:

a) alle halbwegs befahrbaren Zugangswege zu abgelegenen Stellen sind nicht einsehbar und ich will nicht riskieren, einen Trecker buchen zu müssen, der mich irgendwo wieder herauszieht (das hat mich auf Lesbos eine Flasche Ouzo und den Spott des Dorfes gekostet)

b) Leute werden misstrauisch und beäugen, was ich mache, deshalb wird mir bange und ich fahre viele Kilometer weiter

c) Schlangen oder Wildschweine, was soll ich sagen, da helfen all die schönen youtube-Survival-Videos nix

d) es regnet in Strömen, der asiatische Monsun ist ein Witz dagegen

e) ich versuche mein Glück ohne Google und lege mir selbst immer mal wieder die “IchfahrenachGefühl”-Karten, nur, um dann entnervt den nächsten Nationalpark anzusteuern…was bisher immer eine sehr gute Wahl war

f) ich habe einen Traumplatz gefunden, alles scheint zu passen….dann steige ich aus, lasse Yoshi laufen….und: muss entnervt feststellen, dass alles voller Sperrmüll, verbranntem Mist und Exkrementen verseucht ist

g) usw und so fort

Dennoch habe ich bisher immer wunderschöne Plätze gehabt. Lustigerweise kamen zu den Fotos davon immer Kommentare wie “beneidenswert”, “romantisch” und “idyllisch”….würde ich wirklich jedes Mal aufklären wollen, wie laut es oft an diesen tollen Orten war (zwischen Meer und Tankstelle an der Bundesstraße), wie gruselig, sobald, den Mond ausgenommen, kein Licht mehr zur Verfügung stand und ich die Taschenlampe verlegt hatte.

Und ja, auch die Fotos von Yoshi im Auto geben einen kuscheligen Eindruck – das ist schön, entspricht aber nicht immer meiner rückenunfreundlichen Realität.

Das Fazit: Ich würde alles immer wieder so entscheiden, diese Reise und Yoshi sind das Beste, das ich mir im Quantenfeld zusammengepflückt habe …Zeit für Bildbearbeitung und Flledermäuse, denn ich habe vergessen, Kleinigkeiten wie die piesackenden Insekten vergessen zu erwähnen….

 

Journalistin, Fotografin, Hundeteamleiterin

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