Yoshidog

Grenzen, borders, confine

 

Sprache: immer wieder spannend: confine – italienisch für Grenze, sagt Google. confirmation – englisch für Bestätigung, Grenze

Grenze f. ‘Linie, die zwei Staaten, Länder, Grundstücke oder andere Bereiche voneinander trennt’. Mhd. graniza, graenizen, greniz stammt aus apoln. granica, grańca ‘Grenzzeichen, Grenzlinie’ (poln. Granica) (…)
Es ist um 1700 im gesamten Sprachgebiet allenthalben anzutreffen, erlangt literatursprachlichen Rang und besitzt in der Sprache der Gegenwart (neben Staatsgrenze) uneingeschränkt Geltung; alte Bezeichnungen wie Ende, Gemerk, Mark, Rain, Scheide gelten heute als Dialektwörter, haben eine andere Bedeutung angenommen oder sind ausgestorben. Dazu schon im 15. Jh. die dt. Ableitungen grenzen Vb. und Grenzer m. ‘Grenzwächter’. Vgl. K. Müller in: Zur Ausbildung d. Norm d. dt. Literaturspr. 3 (1976) 21 ff.

Genua, 1.4.19

Rufe des Bussards unterbrechen das aufgeregte Krächzen der italienischen Elstern, Kirchenglocken, Vogelzwitschern, Insektensummen, Autodröhnen von den Bergbrücken. Vor mir links das Meer, rechts die Genueser Hügel und in mir hallen Erinnerungen, Eindrücke der vergangenen, wie viele eigentlich (?), Tage nach.

Auf diesem Zeltplatz über der Bucht von Genua, der uns ein angenehmes, ruhiges und laues Nachtlager inklusive Dusche und äußerst schmackhaften Meeresfrüchtepasta kredenzt hatte, warte ich, bis der Akku meiner Kamera geladen und die Wäsche getrocknet ist. Yoshi tut sich am hiesigen, saftigen Frühlingsgras gütlich und entpuppt sich, jedenfalls bisher, als der Reisehund bester Wahl.
Stundenlang harrte sie während der langen, zum Glück staufreien Fahrten durch Deutschland, Österreich, Italien bis hier nach Genua aus. In den Pausen, die wir, die vergangenen zwei Nächte ausgenommen, bei Freunden in Bremen, Neuötting und bei Yoshis Eltern in Kulmbach verbracht haben, war sie freundlich, wachsam, anschmiegsam und auch, wenn sie viel weniger Schlaf bekommen hat, als sie mit ihren 7 Monaten bräuchte, ist sie gut gelaunt und die hundevernarrten Italiener scheint sie toll zu finden, vice versa.

Hafen von Genua:

Das Checkin für die Fähre nach Palermo hat mich einige Nerven gekostet, Kreisverkehre in italienischen Großstädten, noch dazu mit verwirrten deutschen, niederländischen oder britischen Wohnmobilen, die sich von links und rechts hereinzudrängen suchen, sind nicht ganz einfach zu bewältigen.

Revue des Tages zeigt sich dann, durch die Erinnerung gefiltert, in etwa so: Erwachen gegen 7, wegen der Zeitumstellung ist es dann aber schon acht Uhr, herrlichste Sonne, in der ich die Klamotten von der Handwäsche und das Zelt vom Nachttau trocknen lassen kann.
Kurz einzufügen wäre an dieser Stelle, dass ich Camping liebe, umso mehr, als ich vor Jahren ein Aldi-Zelt für sagenhafte 35 Euro gekauft habe, das sogar für jemanden wie mich in weniger als fünf Minuten auf- und, was noch wichtiger ist, auch wieder abzubauen ist. Ohne YotubeVideos anzuschauen oder fremde Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen.
Möglicherweise spielt der Umstand, dass ich an der Ostsee im Zelt gezeugt wurde, auch eine Rolle, who knows?

Bevor ich den Tag in seine Abschnitte seziere, gilt es noch ein paar Tage zurückzuschauen, denn im Grunde genommen, gehört eine Reisebeschreibung chronologisch erzählt. Wie so viele meiner bisherigen Überzeugungen sich seit der Entscheidung für dieses Abenteuer sich wie gekochte Schalentiere ganz einfach aufbrechen lassen, stelle ich auch solche Regeln nunmehr für mich in Frage.

Chronologie wäre zweidimensional, Vergangenheit – Zukunft. Nur, Gegenwart ist nicht zu bemessen, denn welche Maßeinheit ließe denn genug Ausdruck für Jetzt, Hier, also räumlich, mindestens dreidimensional?

Und kann Sprache, noch dazu geschrieben, überhaupt etwas von dem erfassen, was Jetzt meint? Wohl eher ist Schreiben, Aufschreiben wie ein – Überraschungsei, gefüllt mit jenen Erinnerungen, die der Geist sich gerade erbietet, ihnen die Tür zu öffnen. Und färbt, um beim österlichen Bild des Eis zu bleiben, dann diesen Satz so, einen folgenden anders.

Nun, da ich mir viel Zeit geschenkt habe, denn genau das ist Reisen, oder kann es sein, ja auch, denke ich viel mehr über Redewendungen nach, prüfe meine Sprachgedanken und bin immer wieder fasziniert, wie laut oder leise man das Denkradio im eigenen Kopf stellen kann. Welche Knöpfe man dafür wählt, kann jeder selbst entscheiden, ich finde Meditation und, die mir so schwerfallende Achtsamkeit ganz hilfreich.

Verschiebe ich den Regler für diesen Blogeintrag jetzt einmal wieder aus der philospohischen Mehrschichtigkeit einer Mittelwelle auf kurze FM-Frequenzen, lande ich beim Start zu dieser Reise.
Eine Freundin, die als Skorpion immer sehr stichelig und manchmal auch stichhaltig daherkommt, warnte in der, ihr üblichen, vehementen Art, ich führe schon seit längerem mit kaum noch vorhandenen Bremsen. So könne ich unter keinen Umständen bis nach Italien fahren.
Dumm nur, dass sie mir ihre Prophezeiung erst zwei Tage vor meiner Abfahrt überbrachte. Da ich mittlerweile, vielleicht seit dem Tod meiner beiden Hunde Sky und Tara 2018 noch etwas besser, ein geübter Hüpfer im Quantenfeld bin, kam dann auch gleich die richtige Whatsapp für mein Bremsen-Werkstatt-Problem. Eine gute Bekannte, von der ich schon Jahre nichts mehr gehört hatte, schickte mir den Link zu einem spirituellen Onlineseminar. An diesem würde ich zwar wahrscheinlich nicht teilnehmen und natürlich hätte das eher keinen Einfluss auf Autobremsen, aber ihr Mann ist der KFZ-Mechaniker meiner Wahl gewesen, als ich mit meinen ständig defekten Gassiservice-Transportern auf jemanden angewiesen war, der zuverlässig und für wenig Geld das Nötigste schnell reparierte.

Und siehe da, ich würde am Tag meiner Abreise gen Süden, direkt auf der Strecke Hamburg – Bremen in Buchholz/Nordheide einen ganz frühen Zwischenstopp machen können. Das Ungemach mit den angeblich völlig heruntergewirtschafteten Bremsen stellte sich als kompletter Unsinnn heraus, es war aber dennoch mehr als gut, dass der KFZler nämlich den Auspuff, der schon geraume Zeit auf der Lenkstange herumgescheppert hatte, fest verschweißen konnte und, siehe da….eineinhalb Stunden später hatte ich nur noch eine Sorge, den alten Polo betreffend, denn die Kupplung würde tatsächlich irgendwann fällig. Seis drum, ich entschied, wir fahren mit dem Wagen, soweit es eben geht, dann wird sich eine Alternative finden lassen. Genau dafür hatte ich einen zeitlichen Puffer angelegt, damit wir auch unter widrigeren Umständen pünktlich am 3., spätestens am 4. April in Catania, Sizilien ankommen würden.

Da Yoshi und ich nach 1800 zurückgelegten Kilometern durch Deutschland (Hamburg) über Bremen, Kulmbach und Neuötting bereits auf der Fähre sind und die 1300 km Sizilien auf dem Wasser zurücklegen dürfen, bedarf es also keiner großen Bedenken mehr, denn von Palermo, wo wir in wenigen Stunden landen, können wir uns theoretisch auch nach Catania abholen lassen.

Nachtrag 3.4.2019. Was nicht nötig war, weil wir, Yoshi, der alte Polo und ich diese restlichen 245 km auch mit Bravour gemeistert haben, zum Glück wusste ich nicht, wie weit es von Palermo bis Catania tatsächlich noch ist;=)))

Paul Gaugin: „Letztlich liegt die große Herausforderung des Lebens darin, die Grenzen in Dir selbst zu überwinden und so weit zu gehen, wie Du Dir niemals hättest träumen lassen.“   

Journalistin, Fotografin, Hundeteamleiterin

Ein Kommentar

  • heike benda-blanck

    ich mache gerade eine pause…. und lese das hier… großartig… irgendwie mitreisen…. träumen .. . Danke!
    alles gute!

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